{"id":14593,"date":"2019-04-07T03:30:18","date_gmt":"2019-04-07T01:30:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.asphalt-festival.de\/development\/?page_id=14593"},"modified":"2019-05-11T21:35:50","modified_gmt":"2019-05-11T19:35:50","slug":"cum-ex-papers-interview-mit-dem-regisseur-helge-schmidt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.asphalt-festival.de\/en\/cum-ex-papers-interview-mit-dem-regisseur-helge-schmidt\/","title":{"rendered":"\u00bbWarum gibt&#8217;s jetzt keine Revolution?\u00ab"},"content":{"rendered":"<h3>Interview mit Regisseur Helge Schmidt<p>Die Geschichte von Cum-Ex ist ein Drama in mehreren Akten &ndash; und idealer Stoff f&uuml;r ein Theaterst&uuml;ck. Der Regisseur <strong>Helge Schmidt<\/strong> hat die Recherchen von investigativen Journalisten auf die B&uuml;hne gebracht. In einem Interview mit <a href=\"http:\/\/correctiv.org\">CORRECTIV<\/a> hat er erz&auml;hlt, warum Cum-Ex uns alle angeht und wie er das komplexe Thema inszeniert.<\/p><p><strong>Wann haben Sie zum ersten Mal von Cum-Ex geh&ouml;rt?<\/strong><br>\nVor etwa 1,5 Jahren. Ich war bei meinen Eltern zu Besuch und habe am Fr&uuml;hst&uuml;ckstisch in der ZEIT gebl&auml;ttert. Im Wirtschaftsteil stand ein Artikel &uuml;ber Cum-Ex. Mein erster Gedanke war: Warum gibt&rsquo;s jetzt keine Revolution? Warum stehen nicht tausende Demonstranten vor den Banken? Stattdessen ist das Thema schnell versickert.<\/p><p><strong>Wie entstand die Idee, aus dem Stoff ein Theaterst&uuml;ck zu entwickeln?<\/strong><br>\nAls ich den Artikel gelesen habe, planten mein Team und ich gerade das n&auml;chste St&uuml;ck. Ich habe meinen Mitarbeitern den ZEIT-Artikel gemailt: Alle waren sich einig, dass die Geschichte spannend ist. Und sie ist gesellschaftlich relevant &ndash; genau das soll Theater sein.<\/p><p><strong>Wie kam es zur Zusammenarbeit mit CORRECTIV?<\/strong><br>\nOliver Schr&ouml;m von CORRECTIV ist Experte f&uuml;r Cum-Ex und schreibt seit vielen Jahren dar&uuml;ber. Deshalb habe ich ihn Anfang 2018 zu einem Publikumsgespr&auml;ch nach der Premiere eingeladen.<br>\nBei unserem ersten Treffen haben Oliver und Christian Salewski mir viele Fragen gestellt: Wie kamst du auf das Thema? Was planst du? Sie wollten wohl testen, ob man mir vertrauen kann. Beim zweiten Treffen erz&auml;hlte mir Oliver schlie&szlig;lich, dass es im Oktober eine neue Enth&uuml;llung geben w&uuml;rde. Da war klar, dass wir die Premiere verschieben m&uuml;ssen. CORRECTIV und Panorama haben dann ihr Material mit uns geteilt, und wir haben daraus das St&uuml;ck entwickelt.<\/p><p><strong>Ein Theaterst&uuml;ck zu Steuerrecht &ndash; wie sieht das aus?<\/strong><br>\nDer rote Faden ist ein achtst&uuml;ndiges Interview, das Oliver Schr&ouml;m und Christian Salewski mit einem Insider f&uuml;r das Fernsehen gef&uuml;hrt haben. Das verweben wir mit Ereignissen, die zu jener Zeit passiert sind. Finale des St&uuml;cks ist die Enth&uuml;llung der Journalisten.<\/p><p><strong>Ist das Thema nicht zu trocken f&uuml;r eine Theaterb&uuml;hne? Und zu komplex?<\/strong><br>\nDas war auch mein erster Reflex. Aber genau das ist das Problem: Weil Cum-Ex so kompliziert scheint, will man es wegpacken und sich blo&szlig; nicht damit besch&auml;ftigen. Dabei betrifft es jeden von uns. Wegen Cum-Ex gibt es weniger Kindergartenpl&auml;tze. Wegen Cum-Ex f&auml;hrt in manchen D&ouml;rfern der Bus seltener. Wegen Cum-Ex ist der Zahnersatz meiner Tochter teurer. Die Banker nehmen dem Staat Geld weg, das ihm an anderer Stelle fehlt.<br>\nJa, der Stoff scheint trocken. Aber Theater kann es spannend umsetzen. Wir arbeiten mit Filmsequenzen, mit Akten, auch mal mit Klamauk. Wir schaffen es, dass man keine Angst vor dem Thema haben muss.<\/p><p><strong>Was erhoffen Sie sich von der Auff&uuml;hrung?<\/strong><br>\nIch hatte am Anfang gro&szlig;en Respekt vor der Materie. Ich habe keine Ahnung von Finanzen und dachte: Das kapiere ich nie. Und au&szlig;erdem kann ich eh nichts &auml;ndern.&nbsp;Aber das stimmt nicht. Je mehr ich mich mit Cum-Ex besch&auml;ftigt habe, desto verst&auml;ndlicher wurde es. Es verliert seinen Schrecken.<br>\nSo sollte Demokratie funktionieren: Schwierige Themen sind nicht nur etwas f&uuml;r &rsaquo;die da oben&lsaquo;. Ich hoffe, dass das Theaterst&uuml;ck auch Menschen interessiert, die den Wirtschaftsteil der Zeitung normalerweise schnell ins Altpapier werfen. Denn das sollte es.<\/p><p><em>Mit Cum-Ex und vergleichbaren Aktiengesch&auml;ften hat eine Bande von Anw&auml;lten, Bankern und Investoren die europ&auml;ischen Steuerzahler um mindestens 55,2 Milliarden Euro beraubt. Unter der Leitung des Recherchezentrums CORRECTIV hat ein Verbund von 19 Medien im Oktober 2018 den gr&ouml;&szlig;ten Steuerraub Europas aufgedeckt.<\/em><\/p><p><em>Die ganze Geschichte, &rsaquo;Behind the Scenes&lsaquo;-Berichte und exklusive Interviews finden Sie auf <a href=\"https:\/\/cumex-files.com\/\">cumex-files.com<\/a><\/em><\/p><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Regisseur Helge SchmidtDie Geschichte von Cum-Ex ist ein Drama in mehreren Akten &ndash; und idealer Stoff f&uuml;r ein Theaterst&uuml;ck. Der Regisseur Helge Schmidt hat die Recherchen von investigativen Journalisten auf die B&uuml;hne gebracht. 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