»Kultur ist unsere Waffe der Wahl«

Wie kann eine Ehe und ein Familienleben funktionieren, wenn die Ehepartner politisch völlig gegensätzliche Ansichten haben? In »Three Times Left is Right« wird die omnipräsente Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft quasi am Küchentisch verhandelt. Das Stück wurde als eine der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen der Saison zum Theatertreffen 2026 eingeladen und ist laut Jurybegründung »ein Meisterwerk der Provokation«. Im Interview sprechen Regisseur und Autor Julian Hetzel und Dramaturg Miguel A. Melgares über Polarisierung, Liebe, Sprache und die Frage, welche Rolle das Theater in gesellschaftlichen Krisen spielen kann.
– 27. Juni 2026

Three Times Left is Right — Foto Rolf Arnold
Three Times Left is Right — Fotos Nurith Wagner-Strauss

Wie ist die Idee zu diesem Stück entstanden?

Julian: Ein großer Teil der Inspiration stammt von einem Paar – Caroline Sommerfeld und Helmut Lethen. Beide sind Intellektuelle und Schriftsteller. Helmut Lethen ist Soziologe und ein hervorragender Autor, auf dessen Bücher wir bereits in früheren Arbeiten Bezug genommen haben. Ich glaube, es war im Jahr 2017, als ich »Der Schatten des Fotografen« gelesen habe. Als wir uns dann näher mit seiner Biografie befassten, stellten wir fest, dass auch seine Partnerin Schriftstellerin und Intellektuelle ist, allerdings vertritt sie eine radikal andere ideologische Haltung. Sie hat sich von einer linken Position hin zur extremen Rechten bewegt. Caroline Sommerfeld war – und ist vielleicht immer noch – eine der führenden intellektuellen Persönlichkeiten der Neuen Rechten in Deutschland und Österreich. Die beiden haben außerdem drei gemeinsame Kinder. Und wir dachten: Das ist eine interessante Situation.

Es kam uns wie eine Metapher für Europa vor – diese Dynamik innerhalb einer Familie, in einem Haushalt, spiegelt die politische Landschaft vieler Regierungen wider. Menschen mit sehr unterschiedlichen, ja sogar gegensätzlichen Ansichten sitzen an einem Tisch, um über die Zukunft zu diskutieren – sei es die ihres Landes oder, in diesem Fall, die ihrer Kinder. Wir wurden richtig neugierig: Wie schaffen sie das? Wie lebt man mit jemandem zusammen, der eine radikal andere Weltanschauung, andere Werte oder eine andere Ideologie vertritt? Wie trifft man Entscheidungen über die Erziehung der Kinder? In diesem Sinne wird die Familie zu einem Vergrößerungsglas für die Bruchstellen in der Gesellschaft. Also fragten wir uns: Was können wir von diesem Paar lernen? Können wir diese Situation auf eine größere Ebene übertragen – von der Familie auf eine Stadt, eine Nation, die Gesellschaft als Ganzes? Welche Lehren können wir daraus ziehen?

Miguel: Auch in der New York Times erschien ein Artikel, der sich mit diesem Paar befasste. Darin wurden sie als Fallstudie zur Polarisierung dargestellt: eine Familie, die unter einem Dach mit tiefgreifenden ideologischen Differenzen zurechtkommt. Wie du bereits sagtest, wurden sie zu einer Art Vorbild, zu einem Beispiel dafür, wie politische Gegensätze auf engstem Raum koexistieren können, sogar innerhalb einer intimen Beziehung.

Was ich besonders faszinierend finde, ist der Kontrast zwischen ihrer Geschichte und der Art und Weise, wie Politik im Allgemeinen funktioniert. Im öffentlichen Diskurs wird Polarisierung oft als strategisches Mittel eingesetzt – eine Seite stellt die andere als Feind dar. Doch dieses Paar entlarvt diese Darstellung als Trugschluss. Ihre Situation zwingt uns dazu, über die Folgen nachzudenken, die entstehen, wenn man ideologische Differenzen als unüberbrückbar betrachtet.

Wenn uns die Demokratie unzureichend oder gefährdet erscheint, beginnen wir, sie in Frage zu stellen. Wenden wir uns Alternativen zu – Anarchie, Feudalismus, Oligarchie, die sich in vielerlei Hinsicht bereits abzeichnen? Oder widmen wir uns der schwierigen Aufgabe, das demokratische Zusammenleben aufrechtzuerhalten, auch wenn es chaotisch, unvollkommen und voller Widersprüche ist? Dieses Paar hat uns dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie politische Repräsentation und Spaltung in intimen Räumen konstruiert – und ausgehandelt – werden.

Und worin besteht der Unterschied? Ist das Paar mit der Gesellschaft gleichzusetzen? Ist Zusammenleben dasselbe wie Liebe?

Julian: Ich denke, wenn man sich die Rolle von Emotionen in der Politik ansieht, gelangt man zu einem entscheidenden Teil unserer Recherche. So haben wir beispielsweise im Amsterdamer Kulturzentrum De Balie darüber gesprochen, wie Politik mit Emotionen verbunden ist und wie Emotionen politisch genutzt und verstärkt werden. In unserem Zeitalter der sozialen Medien wird Politik zunehmend emotionalisiert. Die Struktur von Plattformen wie X oder Instagram legt Wert auf Kürze und Provokation, was emotionale Reaktionen und Populismus schürt. Diese Formate fördern einen Kommunikationsstil, der eher emotionale Beteiligung als kritische Reflexion auslöst.

Wir haben uns auch die Ausführungen von Bart Brandsma angehört, einem Experten für Polarisierung. Er wies darauf hin, dass jede große politische Bewegung in der Regel mit einem bestimmten Medium verbunden ist, das ihren Aufstieg begleitete: So beschleunigte beispielsweise der Buchdruck einen religiösen Wandel im Zuge der protestantischen Reformation. Die Nazis hatten das Radio und die Volksempfänger. Derzeit gedeihen populistische Bewegungen im Internet und in den sozialen Medien.

Aber zurück zu deiner Frage nach Liebe und Gefühlen. Ich glaube, Liebe ist ein Geheimnis, das wir zu entschlüsseln versuchen. Deshalb haben wir uns entschieden, in diesem Stück mit einem echten Paar zu arbeiten: Kristien De Proost und Josse De Pauw. Sie sind beide brillante Darsteller und im wirklichen Leben ein Paar. Sie sind ein Liebespaar. Wir hielten es für wichtig, ja sogar unverzichtbar, echte Liebe als Bestandteil in dieses Projekt einzubringen.

Sprechen wir über den Titel – »Three Times Left is Right«. Das Stück geht von der Beobachtung einer polarisierten Gesellschaft aus, doch der Titel deutet auf eine Verschiebung hin – eine Art Möbiusschleife. Hat sich etwas umgekehrt?

Miguel: Ja, der Titel spiegelt unsere Beobachtung wider, dass Polarisierung nicht nur von der Rechten vorangetrieben wird. Auch bestimmte Tendenzen innerhalb der Linken haben – oft unbeabsichtigt – zu diesem Klima beigetragen. Als progressive Bewegungen sich inklusive Sprache, symbolische Politik oder öffentliche Formen der Rechenschaftspflicht zu eigen machten, schufen sie damit manchmal neue Formen der Ausgrenzung.

Menschen, die sich einst mit linken Werten verbunden fühlten, können sich nun entfremdet fühlen – insbesondere wenn der progressive Diskurs von hochgebildeten, urbanen Kreisen geprägt wird. Ironischerweise hat die Linke bei der Förderung von Inklusion mitunter weiterreichende materielle Belange wie Arbeit, Wohnen oder Gesundheitsversorgung übersehen. Wenn diejenigen, die sich zurückgelassen fühlen, ihr Unbehagen äußern, werden sie oft schnell als konservativ oder realitätsfern abgestempelt.

Wir haben dies als eine Art kulturelle Gentrifizierung beschrieben – bei der der progressive Diskurs zu einem Sprachspiel wird, zu dem nicht jeder Zugang hat. Wenn sich die Linke immer weiter nach links bewegt, läuft sie Gefahr, sich im Kreis zu drehen und sich in sich selbst zu verschließen.

Daher ist »Three Times Left is Right« sowohl eine Provokation als auch eine Warnung. Es weist auf die Gefahr ideologischer Schleifen hin – in denen sich extreme Positionen, ob links oder rechts, in ihrer Rigidität immer mehr ähneln können.

Julian: Viele unserer Arbeiten haben Titel, die wie ein Kompass funktionieren, etwas, das uns in verschiedenen Momenten des Prozesses immer wieder anspricht. Dieser Titel hat in verschiedenen Phasen des Entwicklungsprozesses Resonanz gefunden. Was mich besonders fasziniert, ist, wie sich die rechten Denker heute Strategien der Linken aneignen. Irgendwann habe ich aufgehört, über rechte Bewegungen zu lesen, und angefangen, ihre eigentlichen Texte zu lesen. Und man sieht eine sehr bewusste, strategische Aneignung linker Ideen. Sie haben die Mechanismen, die Haltung, die Sprache und den allgemeinen Geist der Linken kopiert.

Sie haben sich Taktiken der 68er-Bewegung zu eigen gemacht: die Idee, dass eine kulturelle Revolution wirkungsvoller ist als Straßenproteste. Anstatt Gebäude oder Institutionen zu besetzen, besetzen sie die Sprache. Sie definieren Begriffe wie »Redefreiheit«, »alternativ« oder »Unterdrückung« neu und nutzen sie, um sich als die neuen Außenseiter zu positionieren.

Heute sind sie es, die für ihre Rechte kämpfen, so zu sprechen und zu leben, wie sie es wollen. Selbst wenn das bedeutet, dass wir ins Mittelalter zurückfallen und Abtreibung oder andere demokratische gesellschaftliche Werte und Bürgerrechte verbieten. Es ist erschreckend, wie effektiv sie die Sprache und den Geist der Linken vereinnahmen – und sie auf den Kopf stellen.

Wenn ich mir dieses Paar anschaue – er ist in den Achtzigern, sie Ende Vierzig, Anfang Fünfzig –, dann wird mir dieser Generationswechsel bewusst. Wie eine Generation die Werte der vorherigen Generation verarbeitet, umwandelt und sich zu eigen macht. Es ist tragisch, denn die Linke scheint derzeit zwischen einer Krise der Vorstellungskraft und einer Identitätskrise gefangen zu sein. Gleichzeitig scheint die populistische und reaktionäre Rechte, bei all ihren Mängeln, über eine kühnere Vorstellungskraft zu verfügen.

Könntest du das näher erläutern? Was meinst du mit einer »Krise der Vorstellungskraft« bei den Linken?

Julian: Ich glaube, der Linken fehlt jene radikale, visionäre Energie, die die Rechte derzeit besitzt. Die Rechte hat so etwas wie eine Kulturrevolution in Gang gesetzt. Sie ist einfallsreicher, radikaler und risikofreudiger. Schau dir die USA an, schau dir Europa an – Trump, Musk und ihre ganze neo-feudale Truppe. Die Linke hingegen stolpert, zersplittert und wirkt unsicher, und schafft es oft nicht einmal, eine angemessene Antwort zu formulieren.

Miguel: Um an das anzuknüpfen, was du gesagt hat: In Deutschland zum Beispiel bezeichnet sich die AfD als »die Alternative«. Und genau das ist ein Teil dessen, was so gefährlich ist. Es geht eine neue Energie von der Rechten aus, die raffinierter, selbstbewusster und oft emotional ansprechender ist – insbesondere für junge Menschen.

In Spanien, wo ich herkomme, haben die rechtsextremen TikTok-Accounts mehr Follower als alle anderen Parteien zusammen. Das ist erschreckend. Sie säen die Samen für die nächste Generation – insbesondere unter jungen Männern – mit Humor, Memes und Slogans über persönliche Freiheit, Männlichkeit und Nationalstolz.

Die Linke hingegen kommuniziert oft über den Rahmen der Kritik – an Privilegien, Geschichte und struktureller Ungerechtigkeit. Das sind wichtige Diskussionen, aber sie können auch schwerfällig oder moralisierend wirken. Junge Menschen fühlen sich zwischen zwei kulturellen Botschaften hin- und hergerissen: »Du solltest dich schuldig fühlen« versus »Sei stolz darauf, wer du bist«. Letzteres setzt sich durch – nicht unbedingt wegen der Wahrheit, sondern wegen des Tons. Es ist mutiger, witziger und fühlt sich eher nach Rebellion an. In diesem Umfeld hat Stolz oft die Oberhand über das Trauma.

Julian: Ich glaube, wir befinden uns gerade in einem historischen Moment, in dem die letzte Generation, die den Holocaust buchstäblich miterlebt hat, stirbt. Wir können darüber lesen, darüber sprechen, uns damit beschäftigen, aber bald werden wir keine Gespräche mehr mit Menschen führen können, die ihn aus erster Hand miterlebt haben – Menschen, die uns warnen könnten, weil sie erkennen, dass die Anzeichen wieder auftauchen. Das ist etwas, worauf wir in dem Stück ebenfalls eingehen: die Gefahr der Normalisierung. Die Normalisierung von Gewalt, von Sprache, von Ideologie. Wie lange dauert es, bis eine Gesellschaft ihren Bezugsrahmen so verändert, dass wir Dinge als normal ansehen? Monate, ein paar Jahre, vielleicht ein paar Tweets? Das ist die Frage. Was einst undenkbar schien, wird akzeptabel und dann normal. Es beginnt mit der Sprache. Wenn Flüchtlinge als Naturkatastrophen beschrieben werden – »Wellen«, »Fluten«, »Schwärme« –, verbinden diese Metaphern ein Gefühl der Bedrohung oder Gefahr mit Menschen. Sie schüren Angst. Und sobald sich diese Sichtweise etabliert hat, wird es einfacher, andere Maßnahmen zu rechtfertigen – wie den Boykott von Unternehmen oder die Einschränkung von Rechten. Die Frage lautet dann: Was kommt als Nächstes?

Wir haben all diese Anzeichen schon einmal gesehen. Ich bin Deutscher und weiß, wie schnell sich die Dinge ändern können. Ich möchte nicht in diese Zeit zurückkehren. »Nie wieder ist jetzt« – das ist nicht nur ein leerer Slogan, sondern eine Verantwortung. Wir müssen die Anzeichen erkennen und darauf reagieren. Auch deshalb machen wir Kunst. Kultur ist eine Form des Widerstands. Sie ist unsere Waffe der Wahl. Insbesondere das Theater ist das Werkzeug und die Waffe, für die wir uns entschieden haben.

Es ist unser Medium, um zur Gesellschaft zu sprechen. Vielleicht ist es nicht das effizienteste Werkzeug oder die direkteste Waffe, aber es ermöglicht uns, ein Bewusstsein für die Mechanismen und Ideologien zu schaffen, die unsere Welt prägen. Dieses Stück ist nicht übermäßig aktivistisch, aber ich denke, es hat eine klare politische Grundlage.

Ich wollte auch über den Aspekt des Theaters sprechen. Du hast im Text erwähnt, dass du das Theater als Raum für Spekulation nutzt. Was bedeutet das für dich?

Miguel: Nun, das Theater – die Kunst im Allgemeinen – funktioniert anders als Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Wenn wir es zulassen, kann es ein sehr freier Raum sein. Ein Raum, in dem wir Szenarien ausprobieren, Abläufe übertreiben und Situationen erkunden können, die wir – glücklicherweise – im wirklichen Leben noch nicht erkunden können. Das Theater kann uns helfen, uns eine Zukunft vorzustellen, die wir nicht wollen.

Deshalb ist es wichtig, das Theater als radikalen Spielplatz zu nutzen. Als Raum für Spekulationen, um die Grenzen von Realität und Fiktion zu verschieben. In diesem Stück arbeiten wir mit einem echten Paar, nehmen uns aber auch eine Vielzahl kreativer Freiheiten. Wir dehnen die Erzählung so weit aus, bis sie zu einer Karikatur ihrer selbst wird. Hoffentlich regt diese Dehnung zum Nachdenken an – sie eröffnet Raum für neue Denkansätze. Das ist Teil unserer Studio-Tradition: ein Konzept oder eine Spannung aufzugreifen und so lange zu erweitern, bis es zerbricht – oder etwas anderes offenbart.

Natürlich kann das für manche Zuschauer eine Herausforderung sein. Nicht jeder kommt mit Übertreibungen und Satire zurecht. Aber wir glauben, dass es jetzt an der Zeit ist, Risiken einzugehen. Es bleibt keine Zeit mehr, zu zurückhaltend oder zu vorsichtig zu sein. Wir müssen es wagen.

Wie schafft man ein Werk über Polarisierung, während man in einer polarisierten Gesellschaft lebt? Ist es überhaupt möglich, objektiv zu bleiben?

Julian: Ich habe nicht das Ziel, objektiv zu sein. Ich erhebe nicht den Anspruch, irgendeine objektive Wahrheit darzustellen. Was wir machen, ist kein Dokumentarfilm. Es ist kein getreues Porträt der Familie. Wir arbeiten wir mit dokumentarischen Elementen – dem Material aus der realen Welt, den Texten, den Situationen –, aber wir nutzen auch unsere künstlerische Freiheit. Was wir schaffen, ist Theater. Es ist ein Dialog zwischen Realität und Fantasie.

Du bist während des gesamten Prozesses immer wieder mit deiner eigenen Perspektive konfrontiert, oder?

Julian: Auf jeden Fall. Vor allem, wenn man stundenlang Texte aus dem rechten Spektrum liest. Es ist wirklich beunruhigend, wenn man merkt, dass einige ihrer Argumente Sinn ergeben. Das ist der unangenehme Teil: wenn man ihre Position »versteht«. Und die Wahrheit ist, dass wir dieselbe Welt aus völlig unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Die Art und Weise, wie sie ihre Argumente aufbauen, ist überzeugend. Und genau da muss ich mich selbst hinterfragen: Was ist meine Position? Denn auch wenn sie meine Meinung nicht geändert haben, verstehe ich doch, wie und warum sie so denken, wie sie es tun.

Es geht nicht um »wir gegen sie«. Es geht darum, die Logik hinter unterschiedlichen Weltanschauungen zu verstehen. Dieses Verständnis führt vielleicht nicht zu einer Einigung, aber es führt zu Bewusstwerdung.

Eine der zentralen Kritikpunkte von Caroline Sommerfeld betrifft beispielsweise die moralische Autorität der Linken. Sie fragt: Wie kann die Linke moralische Überlegenheit beanspruchen, während sie andere Glaubensrichtungen zum Schweigen bringt? Und das ist eine berechtigte Frage. Wenn man andere Denkweisen unterdrückt, schafft dieser Druck die Voraussetzungen für eine Explosion.

Miguel: Das ist das Paradoxon der liberalen Demokratie: Wir sagen, wir seien tolerant und inklusiv – außer gegenüber den Intoleranten. Also bekommt jeder einen Platz auf der Plattform … außer dem Faschisten. Und wir müssen die Demokratie vor denen schützen, die sie zerstören wollen. Dieser Widerspruch steht im Zentrum unserer aktuellen Situation. Und genau hier wird es unklar. Aber wer entscheidet, wo diese Grenze verläuft? Der Begriff »Faschist« hat an Präzision verloren – er wird immer weiter gefasst verwendet, und diese Unschärfe ist gefährlich. Wenn wir jede abweichende Stimme als extremistisch abstempeln, laufen wir Gefahr, genau jene Polarisierung zu schaffen, der wir eigentlich entgegenwirken wollen. Unterdessen stehen echte rechtsextreme Persönlichkeiten nicht mehr am Rande. In den Niederlanden ist Wilders Teil der Regierung. In den USA ist Trump zurückgekehrt. Das sind keine hypothetischen Szenarien mehr.

Was passiert also, wenn moralische Autorität von den Machthabern nicht mehr anerkannt wird? Was nützt uns unsere Sprache der Inklusion, wenn die Amtsträger sie gänzlich ablehnen? Deshalb stehen Bildung und Kultur immer wieder im Visier. Das sind die Räume, in denen neuen Generationen beigebracht wird, kritisch zu denken, präzise zu sprechen und anders zu denken. Und genau deshalb werden sie als gefährlich angesehen.

Julian: Und deshalb werden sie zerschlagen.

Miguel: Oder umprogrammiert.

Julian: Freie Republik Wien!

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Das asphalt Festival 2026 zeigt »Three Times Left is Right« am Fr 17 Juli und Sa 18 Juli im Düsseldorfer Schauspielhaus (Kleines Haus).

Three Times Left is Right — Foto Rolf Arnold

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