»Tänze für den Preis von einer Tasse Kaffee«

Tümay Kılınçel und Cornelius Schaper im Gespräch mit Alexandra Wehrmann über ihre Tanzwunschmaschine ›kaleiDANCEscope‹, verschwundene Tänze und wie eine Minibühne in einem Wohnwagen auf das Publikum wirkt.
– 6. Juli 2022

Das Kollektiv should-I-know um Tümay Kılınçel und Cornelius Schaper ist ein Zusammenschluss verschiedener Künstler:innen aus den Bereichen Performance, Bewegung, Medien und Musik. Kılınçel und Schaper leben und arbeiten in Düsseldorf und entwickeln seit 2014 gemeinsame Projekte. Dabei werden vorhandene Strukturen des öffentlichen Raumes neu geordnet, umgedeutet und unterwandert, Wechselwirkungen von Innen und Außen, privat und öffentlich, Einschluss und Ausschluss durchleuchtet. Bis 2016 waren sie mit ›DANCE BOX‹ (2014), dem Prequel zu ›kaleiDANCEscope‹, auf Tour in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2020/21 wurden sie mit Jungyun Baefür das Mentoring-Programm des NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste ausgewählt.

Das Kollektiv should-I-know um Tümay Kılınçel und Cornelius Schaper ist ein Zusammenschluss verschiedener Künstler:innen aus den Bereichen Performance, Bewegung, Medien und Musik. Kılınçel und Schaper leben und arbeiten in Düsseldorf und entwickeln seit 2014 gemeinsame Projekte. Dabei werden vorhandene Strukturen des öffentlichen Raumes neu geordnet, umgedeutet und unterwandert, Wechselwirkungen von Innen und Außen, privat und öffentlich, Einschluss und Ausschluss durchleuchtet. Bis 2016 waren sie mit ›DANCE BOX‹ (2014), dem Prequel zu ›kaleiDANCEscope‹, auf Tour in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2020/21 wurden sie mit Jungyun Baefür das Mentoring-Programm des NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste ausgewählt.

Mit eurem Kollektiv should-I-know seid ihr Teil des diesjährigen asphalt Festivals. Wer verbirgt sich hinter dem Namen? Und welche Hintergründe haben die einzelnen Akteur:innen?

Cornelius Schaper: Wir, Tümay Kılınçel und ich, sind should-I-know. Unsere Zusammenarbeit startete im Jahr 2013 in Düsseldorf.

Tümay Kılınçel: Seitdem arbeiten wir neben unseren eigenen künstlerischen Arbeiten gerne auch als Duo zusammen.

Cornelius Schaper: Ich beschäftige mich hauptsächlich mit Video und Performance. Zum einen mache ich Videoinstallationen und zum anderen bin ich in unterschiedlichen Rollen an performativen Arbeiten beteilligt.

Tümay Kılınçel: Ich habe in Berlin und Giessen zeitgenössischen Tanz, Kontext Choreografie und Performance studiert. Seitdem mache ich unterschiedliche Arbeiten auf und hinter der Bühne.

Cornelius Schaper: Natürlich machen wir als should-I-know nicht alles alleine und haben ein Netzwerk, das uns unterstützt und ohne das die meisten unserer Arbeiten nicht möglich wären.

Im Rahmen des Festivals präsentiert ihr am 7., 8. und 9. Juli euer Projekt kaleiDANCEscope. Eine Tanzwunschmaschine. Wie genau funktioniert die?

Tümay Kılınçel: Die Tanzwunschmaschine funktioniert ähnlich wie eine Jukebox. Die Zuschauer:innen können sich einen Tanz aussuchen, der dann präsentiert wird. Das Besondere ist, dass es eine Eins-zu-eins-Tanz-Performance ist, das bedeutet ein:e Tänzer:in tanzt für eine:n Zuschauer:in.

Cornelius Schaper: Gleichzeitig ist die Tanzwunschmaschine ein Archiv, das stetig wachsen soll. Beginnend mit dem asphalt Festival fängt das kaleiDANCEscope an, Tänze zu sammeln und zu archivieren. Auch besonders ist das Bühnenbild und der Aufführungsort.

Wonach habt ihr die Tänze zusammengestellt, die zur Auswahl stehen? Und wie viele sind es?

Cornelius Schaper: Wir laden in jeder Spielstätte neue regionale Tänzer:innenein, ihr Tanz-Repertoire für uns zu tanzen. Gleichzeitig gibt es auch ein festes kaleiDANCEscope-Ensemble, das immer mit dem Repertoire mitreist.

Tümay Kılınçel: Die Gast-Tänzer:innen und das Tanz-Ensemble tauschen ihre Tänze auch untereinander aus. So entsteht immer etwas Neues.

Im Vorfeld des asphalt Festivals habt ihr lokale Tanzgruppen aufgesucht, umbesondere Tänze, die in Düsseldorf getanzt werden, aufzuspüren. Worauf seid ihr bei eurer Recherche gestoßen?

Cornelius Schaper: Düsseldorf bietet viele unterschiedliche Tanzformen: vom anatolischen Tanzverein über Vogueing, Hiphop, zeitgenössischen Tanz bis hin zu Karnevalsvereinen. Auch gibt es so etwas wie rheinischen Volkstanz, wir konnten allerdings niemanden finden, der ihn noch tanzt. Es war trotzdem schön, alle kennenzulernen, da wir so ein besseres Bild von der Düsseldorfer Tanzszene bekommen haben, gerade abseits der großen Bühnen.

Tümay Kılınçel: Die nun im kaleiDANCEscope vertretenen Tänzer:innen sindein Ausschnitt aus der Düsseldorfer Szene. Gleichzeitig sind sie der Beginn unseres wachsenden Archivs von Tänzen, die kaleiDANCEscope auf seiner Reise sammelt.

Die meisten Künstler:innen möchten so viele Zuschauer:innen wie möglich erreichen mit ihrer Arbeit. Warum habt ihr euch für eine Eins-zu-eins-Performance entschieden? Was reizt euch daran?

Cornelius Schaper: Bei einer Eins-zu-eins-Performance ist man dem Geschehen näher als auf einer großen Bühne, wo man weit weg vom Geschehen sitzt. So können die Zuschauer:innen die Tanz-Performance besser spüren. Es ist auch eine Frage des Fokus, weil es keine Sitznachbarin gibt, die ablenken könnte, sondern man komplett auf die tanzenden Person fokussiert ist.

Tümay Kılınçel: Von der Zuschauer:innenzahl ist es vielleicht weniger, aber durch die individuelle Intensität erreicht es die Leute direkter. Ähnlich wie in einer Bibliothek, wo man sich auch oft alleine mit einer Sache auseinandersetzt und gerade durch die Vereinzelung eine besondere Konzentration entstehen kann.

Die Tänze werden nicht direkt im öffentlichen Raum präsentiert, sondern auf einer Miniaturbühne. Wie darf man sich die vorstellen?

Tümay Kılınçel: Die Bühne ist ein Caravan und ein sinnlicher Erlebnisraum. Das Publikum soll sich selbst ein Bild machen und den Raum erfahren, deswegen verraten wir Vorfeld nicht zu viel.

Cornelius Schaper: Gleichzeitig möchten wir ausloten, wie es ist, im öffentlichen Raum auch wieder aus diesem herauszutreten in eine Art Parallelwelt.

Mit der Bühne seid ihr an drei unterschiedlichen Orten im Düsseldorfer Stadtraum. Wonach habt ihr die ausgewählt? Was für ein Publikum möchtet ihr gerne ansprechen?

Tümay Kılınçel: Wir wollten immer schon mal Teil eines Marktes sein, auch bei uns kann man ja etwas auswählen und kaufen, nämlich Tänze für den Preis von einem Kaffee. Außerdem sind wir auf das Publikum gespannt, das an den Orten ist. Wir glauben, dass es sehr vielfältig ist. Immerhin spielen wir auf zwei Wochenmärkten und einem Flohmarkt.

Cornelius Schaper: Gleichzeitig wird es natürlich auch Menschen geben, die gezielt zu uns kommen. Aber eigentlich möchten wir Passant:innen ansprechen und ihnen etwas anbieten, was sie an diesem Ort nicht erwartet hätten.

In der von euch schon beschriebenen Umgebung trefft ihr mutmaßlich überwiegend auf Menschen, die bisher wenig Berührung mit einer solchen Art von Kultur gehabt haben. Wie versucht ihr die Hemmschwelle, gerade bei einer Ein-zu-eins-Situation, in der man sich als Gast ja nicht in einer Gruppe verstecken kann, niedrig zu halten?

Cornelius Schaper: Im Durchschnitt dauert der Besuch im kaleiDANCEscopeetwa drei Minuten, manchmal kürzer, manchmal länger. Eine Zeitspanne, die man durchaus investieren kann, um etwas Neues auszuprobieren. Und es gibt draußen einen Empfang und Menschen, die ansprechbar sind.

Tümay Kılınçel: Man kann aber auch draußen verweilen und zum Beispiel dem DJ-Set lauschen, das extra für das Festival erstellt wurde. Es braucht Mut in den Wohnwagen reinzugehen, aber es lohnt sich.

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7 Juli 13–18 Uhr: Wochenmarkt Eller, Gertrudisplatz
8 Juli 13–18 Uhr: Rheinischer Bauernmarkt Unterbilk, Friedensplätzchen
9 Juli 12–17 Uhr: Trödelmarkt Aachener Platz, Ulenbergstr. 10

Für die Vorstellungen von ›kaleiDANCEscope‹ gibt es keine Tickets im Vorverkauf, der Eintritt vor Ort kostet 2 Euro.

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Das Interview ist zuerst auf dem Düsseldorf-Blog theycallitkleinparis von Alexandra Wehrmann erschienen. Wehrmann arbeitet als Journalistin für verschiedene Medien und berichtet seit 2015 in ihrem Blog über Menschen, die ihren wie auch immer gearteten Teil zum städtischen Leben beitragen. 2021 erschien ihr Buch ›Oberbilk. Hinterm Bahnhof‹, das sie gemeinsam mit dem Fotografen Markus Luigs veröffentlicht hat.